Home
 Bilder
 Biographie
 Tagebuch
 Aktuelles

ETWAS ÜBER EINEN UNVERGESSLICHEN ORT IN KALIFORNIEN

 

 

Es war nichts Besonderes an diesem Motel mitten im kalifornischen Süden, das uns anhalten ließ. Es war einfach irgendein Motel mit einem Restaurant direkt am Highway. Wir waren auf dem Weg von Los Angelos nach sonst wohin und es war an der Zeit, eine Pause zu machen, etwas zu trinken und eine Zigarette zu rauchen. Und da war dann eben dieses kleine Motel.

Es sah aus wie eine Baracke und wurde nur durch einen staubigen Platz von der Landstraße getrennt. Die Fenster waren undurchsichtig schwarz, als würden sie etwas Unangenehmes verbergen. Mitten darauf leuchteten rote Neonröhren, die den Schriftzug BUDWEISER bildeten. Ich dachte mir, dass die Fenster schwarz sein müssen, damit man die leuchtenden Neonlichter auch am Tage erkennen konnte. Die Türe hatte auch ein schwarzes Fenster und darin leuchtete der Schriftzug OPEN.

Rechts hinter der Baracke gab es noch mehrere kleinere Schuppen an einem weiteren staubigen Platz auf dem eine Menge großer Metallwerkzeuge herum lagen, die ich nur als Ackergeräte zu deuten wusste. Weit und breit gab es aber keinen Acker und ich konnte mich auch nicht erinnern, auf dem Weg hierher welche gesehen zu haben. Ich hatte aber auch nicht besonders darauf geachtet. Die Werkzeuge waren ziemlich verrostet und es muss nicht sein, dass sie überhaupt einen anderen Zeck hatten als da rum zu liegen wo sie lagen und dem staubigen Platz einen belebten Eindruck zu verleihen.

 

Links neben der Restaurantbaracke entfernte sich die unendliche Steppe.

Da war eine ebenerdige Veranda vor den schwarzen Budweiser-Fenstern mit einem niedrigen Geländer, an dem eigentlich ein paar Gäule angebunden sein sollten. Stattdessen stand da ein verdreckter Pick-up, der schon mal bessere Tage gesehen hatte, aber er passte wunderbar ins Bild, ich fand ihn absolut in Ordnung.

Wir waren auch mit einem Auto gekommen. Mit einem sauberen weißen Mietwagen. Der stand jetzt mitten auf dem Platz, der das Motel von der Landstrasse trennte und sah aus wie eine futuristische Erscheinung, jeden Augenblick hätten Camembertuhren aus den heruntergekurbelten Fenstern fließen können.

Mein Freund hatte ihn da geparkt. Es wäre schrecklich gewesen, wenn unser schickes Auto ordentlich neben dem alten Pick-up zum Stehen gekommen wäre. Ich bin meinem Freund dankbar, dass er mir diesen Anblick erspart hat.

Natürlich hat er es nicht bewusst getan. Diese Art zu Parken entspricht einfach seinem Wesen und seinem Verhältnis zu Parkplätzen. Er meidet Parkplätze, als würden dort irgendwelche Gefahren lauern, steht lieber in der zweiten Reihe oder vor Ausfahrten. In meiner Gegenwart hat er nur wenige Male einen Parkplatz benutzt und von diesen Gelegenheiten kann ich mich auch nur noch an eine Situation deutlich erinnern, als er den Wagen gegen die allgemeine Parkrichtung auf einer Trennlinie abstellte.

Unser Auto stand also mitten auf dem staubigen Platz vor dem Restaurant und als ich ausstieg kam gleich dieser Duft auf mich zu. Ein phantastischer Duft nach gebratenem Speck. Es war unverkennbar und so appetitlich dass man sich nichts Besseres vorstellen konnte, als eine große Portion gebratenen Speck in genau diesem Augenblick. Aber gleichzeitig war da die Gewissheit, dass es sich hier um die Sorte Speck handelt, die ihre Vollendung in ihrem Duft erfährt, die Sorte Speck eben, bei der schon der Anblick ein Zuviel an sinnlichen Eindrücken bedeuten würde und deshalb sagte ich nichts, als mein Freund auf die Tür mit der Leuchtschrift OPEN zustürmte.

 

Neben dem Restaurant begann sogleich die endlose Steppe.

Bevor sie begann gab es aber noch einen vertrockneten Baum, in dem der Wind raschelte, ein etwa fünf mal zehn Meter großes Gelände, auf dem jemand Tomaten angepflanzt, dann aber das Interesse daran verloren hatte und mitten darin ein Kanalrohr, das aus unergründlichen Tiefen aufgetaucht zu sein schien und jetzt als Urgestein ein Teil dieser Landschaft geworden war.

Genau auf diesem Kanalrohr saß ich, als mein Freund mit zwei Dosen Budweiser um die Hausecke kam und wir tranken das kalte Bier und rauchten.

Das steinerne Rohr, das genauso gut ein Jahrmillionen alter Granitblock sein konnte, war warm unter meinem Po, das Bier war wunderbar kalt.

Der Wind raschelte in dem alten Baum und trieb Bälle aus vertrocknetem Gestrüpp über den staubigen Platz. Ich wusste,  die Leute hier unten haben einen Namen für diese vom Wind gebastelten Gestrüppbälle, aber er fiel mir nicht ein und er spielte auch keine Rolle.

 

Mein Freund stand da mit seinem Bier in der Hand. Er hatte lange Locken, die ihm der Wind ins Gesicht blies, aber das störte ihn nicht. Er trank sein Bier und blickte lange und schweigend in die Gegend als wäre er ein alter Indianer, der von einer Anhöhe aus das Land seiner Ahnen betrachtet.

Am Highway kreuzten Telegraphendrähte einen strahlend blauen Himmel und über dem Asphalt flimmerte die Luft. Hin und wieder brauste ein chromblitzender Truck vorbei, aber wirklich nur hin und wieder, mit Trucks ist es wie mit allen Genüssen eine Frage der Dosierung. Die Trucks auf dieser Landstraße im staubigen Süden von Kalifornien kamen in genau den richtigen Abständen vorbei und ich fand es wunderbar.

Alles an diesem Ort war wunderbar. Der Wind, der Hauch von gebratenem Speck, unser Auto vor der flirrenden Hitze auf der Straße, da war nichts, was fehlte, und nichts, was zu vielgewesen wäre. Es war einfach vollkommen. So vollkommen wie die Welt am Tage der Schöpfung gewesen sein musste.

Ich war glücklich, dass wir diesen Ort gefunden hatten.

 

 

 

[Home] [Bilder ] [Biographie] [Tagebuch] [Aktuelles] BuiltByNOF